Das Gehirn des Innenministers

    „Der Innenminister wußte natürlich, daß das menschliche Hirn die großartigste Schöpfung der Natur war. Der Innenminister kam nie auf die Idee, sich zu fragen, warum das Hirn mit seinen Geweben und Strängen und Stengeln und Wülsten und Spalten, mit seinen Drüsen und Knoten und Nerven und Lappen und Flüssigkeiten, mit seiner Fähigkeit zum Wahrnehmen, Analysieren, Verarbeiten, Auslassen und Speichern, mit seiner Gabe, Gefühle zu synchronisieren, von der augenrollenden Ekstase bis zur därmeleerenden Angst, mit seinem Hunger nach Input und seiner Freigiebigkeit beim Output – der Minister kam nie auf die Idee, sich zu fragen, warum das Hirn, wenn es doch angeblich so ehrfurchtgebietend großartig war, warum dieses Hirn dann seine Zeit damit vertrödelte, in einem Kopf wie dem seinen herumzuhängen.
    Vielleicht lieben manche Hirne einfach das leichte Leben. Der Innenminister stellte nicht viele Anforderungen an sein Hirn. In der Hauptsache wünschte er nur, informiert zu werden, ob diese oder jene Handlungsweise politisch opportun war.“

(Tom Robbins: Sissy – Schicksaljahre einer Tramperin (Even cowgirls get the blues), 11. Auflage, Rowohlt Taschenbuch Verlag, S. 287)

Die Geschichte ist natürlich rein fiktiv und Ähnlichkeiten mit heute lebenden Personen wären rein zufällig und sind vom Autor vor 33 Jahren bestimmt auch nicht beabsichtigt gewesen 😉