Schokoladenunternehmertum

Selbst im Falle das  viel Marketing hinter den Ausführungen von Alfred T. Ritter vom gleichnamigen schwäbischen quadratschokolanden Familienunternehmen Ritter-Sport steckt sind seine Äußerungen im Spiegel-Online Interview lesenswert, noch besser wenn er sie ernst meint:

Ein gutes Verhältnis der Firmenleitung zu den Mitarbeitern, ist von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht am Markt erfolgreich zu bestehen. Deshalb haben wir bei Ritter die unteren Lohngruppen des Tarifvertrages abgeschafft, die Leute werden besser bezahlt.

Aus aktuellen Anlass geht es im Interview auch rund um die renditenfixierten Betriebswirtschaft:

Wenn ein Markt nur um fünf Prozent wächst, das Unternehmen aber 25 Prozent Gewinn anstrebt, muss es diesen Profit irgendwem abnehmen. Das sind dann in der Regel: Geschäftspartner, Mitarbeiter oder Kunden.

Kommentar: Er hat den Steuerzahler vertreten durch den Staat vergessen – die Banken haben dies ja jahrelang so praktiziert, die Lücke füllt jetzt die Staatshilfe…

Der Dreiklang aus sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten muss stimmen. Ein Unternehmen, aber auch eine Volkswirtschaft sollte so funktionieren, dass niemand geschädigt wird – weder heute noch morgen.

Der Zwang zur Quartalsbilanz ist aber der Feind jeder langfristigen Orientierung. Denn Investition und Planung mit Weitblick gehen oft auf Kosten des kurzfristigen Ertrages

Beim Lesen des Interview kam mir der Eindruck auf das Hannes Koch von Spiegel – Online verzweifelt versuchte gegen eine linke sozialdemokratische Unternehmergesinnung an zu kämpfen, aber gegen Ritter’s nachvollziehbaren Argumente half am Ende nur noch die Weltsanschaungskeule:

SPIEGEL ONLINE:: Warum ist Ihnen Bio so wichtig?

Ritter: Wir dürfen die Böden der Welt nicht länger zu Müll verarbeiten. Die ökologische Landwirtschaft geht vorsichtiger mit der Umwelt um. Sie verzichtet beispielsweise auf Kunstdünger.

SPIEGEL ONLINE: Nur die Weltanschauung spielt eine Rolle, das ökonomische Kalkül keine?

Ritter: Natürlich fühle mich wohl in der Rolle des Marktführers, der früh ein Bio-Produkt herausbringt. Diese Position verbessert nachweislich unsere Ertragssituation. Es passt also gut zusammen. [..]

Ein wenig ärgert mich die Weltanschauungskeule gegen den Ökolandbau schon, aber solangsam tritt die Gewöhnung beim Spiegel das dies einfach zu ihren empfundenen qualitative Niedergang gehört…

Nach dem Interview schmeckt jetzt Ritter Sport noch besser 😉

Hinweis auf das Interview gefunden bei reizzentrum dessen Schlussfolgerung ich gerne mich anschließe:

 Esst mehr Ritter Sport!  🙂